Wohin soll denn die Reise gehn?

Als wir auf den Hof gezogen sind habe ich fröhlich und frei jedem der es wissen wollte erzählt, das ich, wenn ich mal groß bin hier Millionär werde. Dafür wurde ich, selbstverständlich, belächelt. Das lag sicher zum einen daran, dass ich ja schon ziemlich groß war (171cm) und zum anderen daran, dass es für jeden schwer vorzustellen war, mit diesem Hof das große Geld zu machen.

Der reale, große Traum, von Anfang an, war mit und vor allem vom Hof leben zu können – keine großen Sprünge, einfach leben. Das Bild davon, wie genau das aussehen könnte, hat sich in den vergangenen sieben Jahren immer wieder gewandelt. Klar war aber sofort, für konventionelle Landwirtschaft war der Hof zu klein.

Wir hatten eine Menge anderer Ideen, viele waren jedoch nur von kurzer Dauer. So gab es Beispielsweise Überlegungen Schnecken für die Gastronomie zu züchten, eine Minikiwiplantage anzupflanzen oder Ackerlandparzellen zu verpachten. Nach einigen Recherchen und Abwägungen wurden diese Gedanken wieder verworfen.

Von Dauer war dann erst die Idee, den Hof für andere Menschen zu öffnen. Mit viel Herzblut verfolgten und verfeinerten wir diesen Gedanken, bis er zum „Lern- und Erlbenisort – Bauernhof NIA“ wurde. Bis zu dieser präzisen Idee und einem konkreten Plan war es ein langer Weg. Wir haben viele Gespräche geführt. Von Mittgliedern des LEADER – Programmes, von welchen wir finanzielle Mittel beantragen wollten, über Mitarbeiter aus dem Vetrerinär- und Gesundheitsamt bis hin zu Schulen, Kitas, Hochschulen und Altenheimen, welche wir als Zielgruppe ansprechen wollten, war alles vertreten. Die Zeit war anstrengend aber auch wunderschön weil der Plan immer mehr Gestalt annahm und in unseren Köpfen schon alles zu Ende gedacht war. Umso schlimmer traf es uns als klar wurde, dass der notwendige Scheunenumbau die abgesprochene finanzielle Höchstgrenze bei weitem überschreiten sollte.Wie ein Schlag ins Gesicht ließ das den Traum platzen und für eine lange Zeit verloren wir das große Ziel aus den Augen. Wir konnten und wollten nicht mehr daran denken oder darüber sprechen.

Der Traum war zwar begraben aber nicht wirklich weg. Im Sommerurlaub diesen Jahres kam er plötzlich wieder zum Vorschein als wir uns endlich die Frage stellten: „Was wollen wir eigentlich?“. Schnell war klar, der größte Wunsch ist es immer noch vom Hof zu leben und ihn deshalb für andere Menschen zu öffnen.

Der Plan sieht folgendes vor:

  • die zweite Ferienwohnung im Nebengebäude ausbauen
  • einen großen Ziegenstall mit überdachtem Auslauf in den hinteren Bereich der Scheune bauen
  • das ehemalige Kartoffellager der Scheune zu einem Milch- und Käseraum umbauen
  • in den aktuellen Brutraum den Melkstand bauen
  • die obere Etage der Scheune zu Ferienzimmern und einem Seminar-/Verkaufsraum ausbauen

Zunächst haben wir uns eine Frist von drei Jahren gesetzt in denen wir versuchen wollen, soviele wie möglich dieser Aspekte selbst zu verwirklichen. Dann werden wir entscheiden, je nachdem wie viel Geld der restliche Umbau kosten würde, ob wir den Plan tatsächlich so in die Tat umsetzen können und auch noch wollen.

Das bedeutet für uns auch, dass wir für diesen Zeitraum keine Tiere außer den Ziegen, Hühnern, Wachteln und Perlhühnern halten werden. Neben dem Geld ist nämlich die Zeit hier auf dem Hof ein sehr großer Faktor. Um also so viel Zeit wie möglich für den Umbau zu haben, ist es notwendig, diese an anderer Stelle (beim Ausmisten, Füttern, Brüten etc.) einzusparen. Es blutet uns etwas das Herz, weil wir lieben was wir tun und natürlich auch unsere Tiere, aber sie kommen ja wieder, wenn der Traum verwirklicht ist.

Während ich das hier so schreibe und nochmal lese frage ich mich doch, ob wir das wirklich schaffen können. Da ich uns aber kenne, unseren Kämpfergeist und unser Durchhaltevermögen, sage ich es mal mit den Worten des ehemaligen amerikanischen Präsidenten: „Yes we can!“